Agatha Christie wurde 1890 als Agatha Mary
Clarissa Miller in Torquay in der Grafschaft Devon
in Südengland geboren. Die Familienverhältnisse
der Millers waren ziemlich verzwickt und hätten einem Kriminalroman
von Agatha Christie entstammen können. Agathas Großmutter Mary Ann West war bereits im
Alter von 25 Jahren Witwe und hatte große Probleme, ihre vier Kinder und sich
selbst durchzubringen. Ihre Schwester Margaret, verheiratet mit einem reichen
Witwer aus USA, Nathaniel Miller bot an, eines der Kinder bei sich aufzunehmen.
Dies geschah dann auch und so kam Agathas Mutter Clara zur Familie Miller. Diese
verliebte sich in den neun Jahre älteren Sohn ihres Pflegevaters aus erster Ehe,
Fredrick Miller, und heiratet ihn 1878, was dazu führte, dass ihre Tante, die gleichzeitig ihre Adoptivmutter
war, nun auch noch ihre Stiefschwiegermutter wurde.
Die Millers lebten in der großen viktorianischen Villa "Ashfield" in Torquay, wo Agatha als
drittes Kind der Familie zur Welt kam. Agatha erlebte eine behütete, aber
entsprechend viktorianischer Vorstellungen eine von den Eltern distanzierte Kindheit.
Da ihre Geschwister wesentlich älter waren, wuchs sie als Einzelkind auf, war
oft sich selbst überlassen und begann daher, sich phantasievolle Geschichten auszudenken.
Durch den Tod des Vaters im Jahre 1901 wurde die finanzielle
Situation der Familie schwieriger. Es gab nur noch ein eingeschränktes gesellschaftliches Leben,
aber für Agathas Aufenthalte in
verschiedenen Mädchenpensionaten reichte es allemal.
Agatha gibt ihre Pläne Konzertpianistin oder
Opernsängerin zu werden wegen mangelnder Begabung bald auf und wendet sich,
auch auf Druck der Mutter dem Schreiben zu. Ihr erster nie veröffentlichter
Romanversuch trug den Titel Snow Upon The Desert.
1912 lernt sie Leutnant Archibald
Christie kennen und lieben. Trotz einer bereits bestehenden Verlobung Agathas
beschließen die beiden zu heiraten. Die Zeremonie fand am Weihnachtsabend 1914
statt, als Archibald Christie auf Heimaturlaub war.
Agatha Christie arbeitete während des Ersten
Weltkrieges beim sog. "Freiwilligen Hilfskomitee" als Krankenschwester
und später als Apothekenhelferin. Dort schrieb sie ihren ersten Kriminalroman.
Es ging um einen Giftmord, nahe liegend angesichts der vielen Gifte, mit denen sie
es täglich zu tun hatte. Die Geschichte war fast fertig, nur der Detektiv fehlte
ihr noch. Die vielen belgischen Flüchtlinge in Torquay brachten sie auf die
richtige Idee. Ein Belgier sollte es sein, ordnungsliebend, ja penibel, mit
vielen grauen Zellen und einem hochtrabenden Namen versehen.
Hercule Poirot wurde geboren.
1917 hatte
Agatha Christie ihr Manuskript als letzten
Versuch an den Verleger John Lane von The Bodley Head geschickt und das Ganze
fast vergessen, als sie 1920 die Mitteilung bekam, dass der Verlag ihr Buch veröffentlichen
wolle (zwischendurch 1919 wurde die einzige Tochter von Agatha Christie Rosalind geboren). Das Buch
trug den Titel The Mysterious Affair At Styles (dt.:
Das fehlende
Glied in der Kette).
Als das Geld in der Familie knapp wurde und
es aussah, als ob die Christies ihr geliebtes Haus "Ashfield" verkaufen müssten,
schlug Archibald Christie ihr vor, einfach ein neues Buch zu schreiben, was
Agatha
auch tat. Diesmal schrieb sie allerdings keine Detektivgeschichte, sondern
einen abenteuerlichen Geheimdienst-Roman mit dem Titel The Secret Adversary (dt.:
Ein gefährlicher Gegner). Hauptprotagonisten sind ein junges Paar (Tommy und
Tuppence Beresford), die im Auftrag eines geheimnisvollen Mr. Brown ein auf
mysteriöse Weise auf der "Lusitania" verschwundenes Dokument suchen.
Finanziell fühlte Agatha Christie sich von
ihrem Verlag betrogen, da sie von den Einnahmen ihrer Bücher nur
einen Bruchteil erhielt. Sie beschloss, sich einen Agenten zu suchen, der
ihre Interessen besser vertrat. Diesen fand sie in Edmund Cork. 1926, nachdem sie den
Vertrag mit The Bodley Head erfüllt hatte, suchte Cork einen neuen Verlag für
ihre Romane und schloss schließlich mit dem Verlag Collins ab. Agatha Christie
blieb ihrem Agenten und ihrem Verlag die nächsten fünfzig Jahre treu. Als
erster Roman bei ihrem neuen Verleger erschien The Murder Of Roger Ackroyd (dt.:
Alibi), eine Geschichte, mit der sie gegen mehrere der geltenden Konventionen für
Detektiv-Geschichten verstieß und über Nacht berühmt wurde. Im
gleichen Jahr geht ihre Ehe in die Brüche. Agatha Christie verschwindet im
Dezember des Jahres für zehn Tage, ein Vorgang, dessen Hintergründe bis heute
nicht geklärt sind.
Ihre Ehe wird zwei Jahre später geschieden.
Im gleichen Jahr (1928) entstehen die ersten Filme nach
Agatha Christie Romanen und
The
Murder Of Roger Ackroyd wird für die Bühne bearbeitet.
1930 erscheint
Agathas zweiter berühmter
"Detektiv" auf der Bildfläche: Miss Jane Marple aus dem kleinen Ort
St. Mary Mead, die mysteriöse Todesfälle durch Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis
sowie durch
Parallelen aus dem Dorfleben löst. Hinzu kommt, dass sie von allen Menschen
immer nur das Schlechteste denkt und damit meistens recht hat. Ihr erster "Fall"
war The Murder At The Vicarage (dt.:
Mord im Pfarrhaus). In diesem Jahr lernt Agatha
Christie auch ihren zweiten Mann kennen,
den 15 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan. Die folgenden Jahre bis 1947
werden gern als ihre "Blütezeit" bezeichnet. Es entstehen neben
vielen anderen die Christie-Romane Lord Edgware Dies (dt.:
Dreizehn bei Tisch), Murder
On The Orient Express (dt.:
Mord im Orient-Express, früher: Der rote
Kimono), Death On The Nile (dt.:
Tod auf dem Nil), Ten Little Niggers (dt.:
Letztes Weekend auch: Zehn kleine Negerlein) und The
Moving Finger (dt.:
Die Schattenhand).
In diese Zeit fällt auch der Beginn
der
Theater-Karriere von Agatha Christie. Aufgrund negativer Erfahrungen beschließt sie, ihre Bücher nur
noch selbst für die Bühne zu bearbeiten. Höhepunkt dieser Karriere sind 1952
die Uraufführung des Stücks The Mousetrap (dt.: Die Mausefalle) und ein
Jahr später Witness For The Prosecution (dt.: Zeugin der Anklage). Die
Mausefalle war übrigens eine Überarbeitung eines Hörspieles mit dem Titel Three
Blind Mice, ein Wunsch der Königinmutter Mary, die sich 1947 zu ihrem
achtzigsten Geburtstag ein Hörspiel von Agatha Christie wünschte.
1950 wurde Agatha Christie in die Londoner Akademie der
Wissenschaften aufgenommen. Weitere Ehrungen in den nächsten Jahren waren u. a. die Verleihung des
Grand Masters Award of the Mystery Writers
of America (1954), der Orden des Britischen Empire
(1956), die Ehrendoktorwürde
der Universität Exeter (1961) und die Aufnahme in Madame Tussauds
Wachsfigurenkabinett (1972). Außerdem erhält sie 1971 den Titel "Dame of the British Empire" d. h., sie
durfte sich von nun an Dame Agatha nennen, gleichzeitig trägt
sie auch den Titel Lady Mallowan, da ihr Mann,
Max Mallowan, in den Ritterstand erhoben wurde.
Unermüdlich schrieb
Agatha Christie weitere
Kriminalgeschichten. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden einige ihrer besten
Romane, so z.B. Mrs. McGinty's Dead (dt.:
Vier Frauen und ein Mord), Cat
Among Pigeons (dt.:
Die Katze im Taubenschlag), The Mirror Crack'd From
Side To Side (dt.:
Mord im Spiegel, früher: Dummheit ist gefährlich) oder The
Crooked House (dt.:
Das krumme Haus), der zu ihren Lieblingsromanen gehört.
1970
erschien eines der schrulligsten und verworrensten Bücher von Agatha Christie, Passenger To
Frankfurt. Hauptfigur ist eine siegfriedähnliche Gestalt, der Sohn Adolf
Hitlers. Hitler selbst ist nicht umgekommen, sondern wird als Insasse einer
Irrenanstalt ins Ausland geschmuggelt. Alles dreht sich um irgendeine
internationale Verschwörung, in die auch ein monströses Mann-Weib, die größenwahnsinnige
sadistische Gräfin von Waldsausen (dies ist kein Tippfehler) verwickelt ist.
Obwohl die meisten Mitglieder der Familie von
Agatha Christie über dieses Buch entsetzt waren und
auch der Verlag einen Reinfall befürchtete, man gab dem Buch vorsichtshalber
den Untertitel "An Extravaganza", wurde es zumindest in Großbritannien
ein Riesenerfolg, vielleicht auch nur, weil es zum achtzigsten Geburtstag
von Agatha Christie erschien.
Agatha Christies letzter Roman, den sie nur unter großen
Mühen schrieb, Postern Of Fate (dt.:
Alter schützt vor Scharfsinn nicht),
erschien 1973. Als "Schwanengesang" wurden in den nächsten Jahren
noch zwei Titel von
Agatha Christie veröffentlicht, die in den Kriegsjahren als "Vorrat"
geschriebenen "Letzten Fälle" von Hercule Poirot Curtain (dt.:
Vorhang), in dem Poirot stirbt und Sleeping Murder (dt.:
Ruhe unsanft) mit
Miss Marple, der in ihrem Todesjahr erscheint.
Agatha Christie starb am 12. Januar 1976
in Wallingford, Oxfordshire.
Quelle:
Virtuelle Bibliothek der Stadtbibliothek Köln
All jenen,
die mehr aus dem Leben der "Queen of Crime" erfahren möchten,
können wir an dieser Stelle die Lektüre ihrer
Autobiografie besonders
empfehlen. Auf eine sehr persönliche, oft
humorvolle und immer frische und fesselnde Weise schildert Agatha
Christie das "Davor", das "Mittendrin" und das
"Dahinter" ihres Lebens als Schriftstellerin und "Hobby"-Archäologin an der Seite ihres Mannes
Max Mallowan.
Die folgenden Biografien sind eine besondere Empfehlung der
Redaktion:
Monika Griepenberg:
Agatha Christie
Janet Morgan: Agatha Christie